End:lichkeitsgymnastik

„Gibt es eine Gymnastik, mit der man sich für die Endlichkeit des Lebens geschmeidig trainieren kann?“
fragt Harald Welzer in seinem Buch „Nachruf“. Hier ist sie.

Nächste Starttermine:
Modul II: 05. November 2026 

Modul I: 07. Januar 2027 

Modul III: April 2027

Was tun, wenn die eigenen Eltern zunehmend hilfsbedürftig werden oder sogar im Sterben liegen und es schwer fällt, das anzunehmen und sie auf diesem Weg zu begleiten?
Was tun, wenn Freund*innen, Nachbar*innen, Kolleg*innen tödlich erkranken und ich damit nicht gut umgehen kann?
Oder wenn der eigene Körper seine Spannkraft verliert, Zipperlein oder sogar Krankheiten sich einstellen und das überhaupt nicht schmeckt?
Und selbst wenn das alles nicht der Fall ist, aber das Gefühl sich einstellt, nur noch durch das Leben zu hetzen, ganz nebenbei ehrlich gesagt digitalsüchtig geworden zu sein und überhaupt nicht mehr irgendwo verwurzelt zu sein. Was tun? 

Innehalten – den wenigsten gelingt das in dieser schnelllebigen Zeit. Auch weil das nicht nur angenehm ist. Sich ablenken, eine Serie gucken, verdrängen, noch schnell ein paar Instagram- oder TikTok-Beiträge scrollen, sich betäuben, ist doch nur ein Bier, fallen oft leichter. Und dann? Zack, da ist es wieder, das schlechte Gewissen. Eine weitere Runde auf dem Lebenskarussell. Teufelskreis, was tun?

Vielleicht hilft es, sich gemeinsam hinzusetzen, ruhig zu werden und erst einmal klar wahrzunehmen, was ist. Denn wenn alle Stricke reißen, bleiben nur Atmen, Wahrnehmen und der Körper.

Eine junge Frau und Mutter von zwei kleinen Kindern, der der Boden durch den plötzlichen Tod ihres Mannes weggezogen war, meldete einmal zurück: „Das hilft wirklich, einfach atmen. Ganz bewusst. Es klingt so banal.“ Ist es aber nicht. Es ist gar nicht so einfach, sich von dem unruhigen und nicht immer hilfreichen Geist in uns tyrannisieren zu lassen. Nachts fahren die Sorgen in der Regel gerne Achterbahn in Krisenzeiten. Da hilft es, sich tief in der Gegenwart zu verankern.

Allerdings nur, wenn diese Praxis nicht zu einem Fluchtauto vor der Auseinandersetzung mit der End:lichkeit wird – nicht abstrakt, intellektuell, auf Abstand, sondern ganz persönlich, mit den Wassern der Angst und der Unsicherheit gewaschen.

Wenn Du das willst, bist Du bei der End:lichkeitsgymnastik richtig. Keine Angst, es geht nicht um ein körperliches Workout-Programm. Es geht darum, dass Du eine hilfreiche Haltung zur End:lichkeit entwickelst und einübst. Diese soll Dich durch akute Situationen leiten und Dein gesamtes Leben und Erleben mehr im Hier und Jetzt verankern. Du lernst, die Dir von der Gesellschaft frei Haus zur Verfügung gestellte Brille mit der allerdings stark verzerrten Optik des ewigen Wachstums abzunehmen und sie durch die Brille der End:lichkeit zu ersetzen.

Das üben wir bei unseren Treffen gemeinsam und in den Wochen zwischen den Terminen auch alleine: das Leben als Endliches zu begreifen (Modul I) und uns gut im Hier und Jetzt zu verankern (Modul II und III). Auch spüren wir unseren uneingestandenen Träumen von ewiger Jugend, reparierbarer Gesundheit und immerwährendem Wachstum nach und üben, sie in eine handfeste Praxis des zufriedenen und dankbaren Vergehens zu wandeln.

Die End:lichkeitsgymnastik gliedert sich in drei Module.

Basismodul I – Sei Dir der Sterblichkeit bewusst!
(Für alle, die sich der eigenen Sterblichkeit, und der anderer stellen wollen. Nicht geeignet in akuten Trauerfällen.)

1. Begegnungen mit der eigenen Sterblichkeit
2. Begegnungen mit der Sterblichkeit anderer
3. Begegnungen mit Krankheit, Alter und Vergänglichkeit
4. Wie mit der End:lichkeit an der Hand durch den Alltag gehen?

Wann? 07.01./28.01./11.02./18.02. 2027 von 17:30 – 20:30 Uhr
Wo? trostwerk, Osterstraße 149, HH-Eimsbüttel und Erikastraße 42, HH-Eppendorf
Wieviel? 240,00 € (Ermäßigung: Du zahlst, was Du zahlen kannst)
Wie viele? 4-8 Teilnehmer*innen

Basismodul II – Sich im gegenwärtigen Augenblick verankern 
(Für alle, die aus dem Dauerbeschäftigtsein und endlosem Scrollen aussteigen wollen – und solche, die trotz krankheits- oder altersbedingter Einschränkungen fröhlich leben wollen. Nicht geeignet, wenn Du gerade schwer belastet bist – etwa nach traumatischen Erfahrungen oder in akuten Krisen. Das gilt auch für Modul III. Bei Unsicherheit frag gern vorher.)

1. Von Atemzug zu Atemzug – die Grundbedingung des Lebens
2. Sehen, Hören, Schmecken, Riechen, Spüren – die fünf Sinne im Fokus
3. Gehen, Liegen, Sitzen, Stehen – die vier Grundpositionen des Lebens
4. Wie auch im Alltag wirklich da sein?

Wann? 05.11./26.11./10.12./17.12. 2026 von 17:30 – 20:30 Uhr
Wo? trostwerk, Osterstraße 149, HH-Eimsbüttel und Erikastraße 42, HH-Eppendorf
Wieviel? 240,00 € (Ermäßigung: Du zahlst, was Du zahlen kannst)
Wie viele? 4-8 Teilnehmer*innen

Aufbaumodul III – Von Gedanken und Gefühlen zum Reden und Tun
(Für alle, die eine regelmäßige Praxis vertiefen und vom Denken und Spüren ins Handeln kommen wollen.
Voraussetzung: mindestens Modul II
)

1. Von der Enge der Gedanken zur Weite der Wahrnehmung
2. Weg vom Diktat der Gefühle – ein Weg in die innere Freiheit
3. Was ist „gutes Reden“? – erst einmal zuhören!
4. Was wie tun? Schritt für Schritt im Einklang mit der „Wirklichkeit“
5. Wie all das durch den Alltag trägt …

Wann? Beginn im April 2027
Wo?
trostwerk, Osterstraße 149, HH-Eimsbüttel und Erikastraße 42, HH-Eppendorf
Wieviel?
300,00 € (Ermäßigung: Du zahlst, was Du zahlen kannst)
Wie viele?
4-8 Teilnehmer*innen

Bei Fragen und zur Anmeldung schreibe an rosenfeld@vom-kommen-und-gehen.de

TRAUERREDEN

Tod ist
nicht nur Schrecken,
der in uns hochkriecht.
Tod ist Gegewnart im Leben.
Wir leben als Gast
auf dieser Erde und
spüren die Vergänglichkeit
mitten im Leben.

Alles wird kostbar.

Durch gemeinsames Erleben holen wir die Toten noch einmal in den Lebenskreis hinein. Nach ausführlichen Gesprächen mit Ihnen zeichne ich das Leben und Sterben der Gestorbenen so nach, dass es Ihnen hilft, das Erlebte in sich hinein zu nehmen. Und es dort so lange zu bewegen, bis Sie ihm eine Gestalt gegeben haben, die stärkt.

Während der Trauerfeier knüpfe ich dazu ein Halt gebendes Netz, wenn ich die einzelnen Beiträge zusammenfüge: Worte und Lieder, Musik, Dekoration, Rituale oder meditative Stille. Alles ist möglich. Bei Ihnen zuhause, in einer Kapelle oder an einem vertrauten Ort.

AUSBILDUNG Trauerrede / End:lich leben

Die Ausbildung Trauerrede / End:lich leben richtet sich zum einen an Menschen, die ihre Sprechfähigkeit in Abschiedsritualen entwickeln möchten. Aber auch an solche, die lernen wollen, ihr eigenes Leben und das Leben anderer aus der Endlichkeitsperspektive zu betrachten und zu leben.

Ziele sind, Abschiedsprozesse besser zu verstehen, eine wertschätzende und an der Endlichkeit orientierte Lebenshaltung zu entwickeln sowie hilfreiche Abschiedsrituale inklusive Trauerreden gestalten und halten zu können.

Voraussetzungen für die Ausbildung ist die Bereitschaft,

  • die eigene Biografie in „Hausaufgaben“ der Endlichkeitsperspektive zu unterziehen.
  • eine selbst erlebte Verlusterfahrung mit der Gruppe zu teilen. Diese soll in eine Gedenkfeier münden, die von einem anderen Gruppenmitglied in enger Absprache gestaltet wird.

In zehn (bzw. elf) Modulen vermittele ich mein in 20 Jahren Praxis als Trauerrednerin erprobtes Wissen.

Die nächste Ausbildung mit noch freien Plätzen findet voraussichtlich von Oktober 2027 bis Juli (Okt.) 2028 statt.
Genauere inhaltliche Informationen finden Sie unter Ausbildung zum/zur Trauerredner*in in Hamburg.

Die Termine stehen noch nicht fest.

Anmeldungen ab Januar 2027:
Bitte vereinbaren Sie einen Gesprächstermin entweder per Mail (rosenfeld@vom-kommen-und-gehen.de) oder per Handy unter 0174 75 444 37.
Ich melde mich nicht unbedingt sofort, spätestens aber nach drei Tagen zurück.

VITA

  • Wissenschaftliches Arbeiten über Spiritualität, Religion
    und Gesellschaft im internationalen Kontext
    1999 – 2002
  • Fortbildung „Mit Ritualen Lebenszyklen begleiten“ bei
    Maria Zemp
    2003 – 2004
  • Ausbildung zur Sterbeamme bei Claudia Cardinal
    2004 – 2006
  • Freie Trauerrednerin und Ritualgestalterin
    2003 – 2023
  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der
    Bestatter*innenbranche
    2008 – 2020
  • Ausbildung von Trauerredner*innen
    2016 – 2020
  • Ausbildung von Trauerredner*innen
    und Endlichkeitswerker*innen
    seit 2022

Annette Rosenfeld
Ev. Theologin 

Gedankensplitter

Wozu End:lichkeits-Gymnastik

Das einzig Sichere in unserem Leben ist, dass wir sterben werden. Auch, dass wir zwischendrin immer mal wieder erkranken und ab dem 20. Lebensjahr, falls wir dies erreichen, altern. Nur - die wenigsten wollen sich damit auseinandersetzen. Wie die kleinen Kinder halten...

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Zur Ausbildung Trauerrede / End:lich leben

Die meisten wissen gar nicht, wie sehr unsere Toten in uns leben, uns prägen, stärken, blockieren …. Sie wollen gehört werden und uns dazu bringen, endlich zu leben. Das üben wir in der Ausbildung, wir lassen die Toten sprechen. Die Zeugenschaft der Gruppe hält, die...

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Die Trauerrede ist weit mehr als eine Trauerrede …

In norddeutschen Großstädten sind 60 % der Trauerfeiern sogenannte „weltliche“. Eher selten werden diese von An- wie Zugehörigen selbst gestaltet. Ist die Angst doch oft groß, dabei in Tränen auszubrechen und somit unverstehbar zu werden. Meistens werden deshalb...

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Adresse

Annette Rosenfeld
Walther-Kunze-Straße 34
22765 Hamburg

Kontakt

Fon: 040 – 30 60 66 00 (AB)
Mobil: 0174 75 444 37
Email: rosenfeld@vom-kommen-und-gehen.de

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